Gott ist tot! – Für eine säkulare und weltanschaulich neutrale Gesellschaft

Als Junge Liberale respektieren wir unterschiedliche Weltanschauungen und Religionen. Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses (Art. 4 Abs. 1 GG) haben aus unserer Sicht in einem demokratisch-pluralistischen Staat eine wichtige Bedeutung. Allerdings halten wir eine konsequente Trennung von Staat und Kirche für notwendig, um ein konfliktfreies Miteinander zu gewähren. Daher sollten bisher überkommene Strukturen entflechtet und eine stärkere konfessionelle Neutralität hergestellt werden – bisherige staatliche Privilegien der Religionsgemeinschaften müssen ausnahmslos aufgehoben werden!
§ 1 Feiertage und Finanzen
Als Junge Liberalen fordern wir eine Reform der Feiertagsgesetze der Länder. Die religiösen, christlich geprägten Feiertage sollen längerfristig durch gesellschaftlich relevante, säkulare Tage ersetzt werden, mit denen sich grundsätzliche alle Mitglieder der Gesellschaft identifizieren können. Als Ausnahme sollen wegen ihrer historisch gewachsenen gesellschaftlichen Bedeutung die Weihnachts- und Osterfeiertage beibehalten bleiben. Perspektivisch setzen wir uns für gemeinsame Europäische Feier- und Gedenktage ein.
Das Vermögen der katholischen und evangelischen Kirche wird auf über 400 Milliarden Euro geschätzt. Insoweit halten wir es langfristig für gerechtfertigt, die Kirchensteuer abzuschaffen. Kirchen sollen wie beispielsweise auch Vereine und politische Parteien künftig selber ihre Mitgliedsbeiträge einziehen. Kurzfristig sollte das Verfahren für den Austritt aus einer Religionsgemeinschaft von staatlicher Seite aus kostenlos und digital angeboten werden. Die Abschaffung der staatlichen Entschädigung für Enteignungen im 18. und 19. Jahrhundert (Staatsleistungen) an die Kirchen von zuletzt über 500 Millionen Euro pro Jahr halten wir für dringend umzusetzen. So sollten beispielsweise die Gehälter von kirchlichen Würdenträgern nicht länger vom Staat übernommen werden.
§ 2 Affen und Ethik statt Adam und Eva
In keinem der Lehrpläne der 16 Bundesländer sind die Themen ,,Evolution’’ und ,,Entstehung des Universums und Sonnensystems’’ bisher als verpflichtender Unterrichtsinhalt in der Grundschule ausdrücklich vorgesehen. Vielmehr erhalten viele Kinder zuerst im Religionsunterricht Antworten auf die oben genannten Themen, z. B. Gott habe die Menschen, Tiere und Pflanzen in 6 Tagen erschaffen (und ruhte am 7 Tag). Als Folge der Nichtbehandlung führen viele Kinder die Entstehung des Lebens, die Entstehung des Universums auf den Schöpfungsprozess zurück. Damit öffnet man Tür und Tor für eine Gesellschaft, die ihre Überzeugungen auf unbelegten Gefühlen und Vermutungen basiert. Wir fordern eine im Lehrplan verankerte, verpflichtende und wissenschaftlich korrekte Aufklärung der Kinder über die Themen ,,Evolution’’, und ,,Entstehung des Universums und Sonnensystems’’. Die Themen sollten dabei in die Rahmenlehrpläne für alle Grundschulen (Klasse 1-4 bzw. 1-6) als verpflichtende Unterrichtsinhalte verankert werden. Das Anbringen und Tragen von religiös-weltanschaulichen Symbolen durch Lehrkräfte in Räumen des Staates wie Klassenzimmern in Schulen lehnen wir ab.
Alternative 1 (Berliner Modell):
Wir setzen uns dafür ein, dass in allen Bundesländern das Fach Ethik als ordentliches Pflichtfach in Schulen angeboten wird, während der Religions- und Weltanschauungsunterricht verschiedener Konfessionen in den Schulen zusätzlich freiwillig von den Schülern besucht werden kann. Die Lehrer des Religions- und Weltanschauungsunterricht sollten von staatlicher Seite beaufsichtigt und bezahlt werden.
Alternative 2 (Französisches Modell)
Wir setzen uns dafür ein, dass in allen Bundesländern das Fach Ethik als ordentliches Pflichtfach in Schulen angeboten wird. Darüber hinaus sollte es in Schulen nach französischem Vorbild überhaupt keinen Religions- und Weltanschauungsunterricht unterschiedlicher Konfessionen geben. Grundkenntnisse über die Weltreligionen sollten von einer nichtkonfessionsgebundenen Lehrkraft im Fach Ethik vermittelt werden.
Alternative 3 (Süddeutsches Modell)
Wir setzen uns dafür ein, dass in allen Bundesländern die Schüler entweder das Fach Ethik oder einen Religions- und Weltanschauungsunterricht als Pflichtfach besuchen, um sicherzustellen, dass die Schüler nicht nur im privaten Bereich über ihre Konfession lernen. Die Lehrer des Religions- und Weltanschauungsunterricht sollten von staatlicher Seite beaufsichtigt und bezahlt werden.