Mindestlohn statt Zwangsarbeit – Für Lohnpflicht von Pflichtpraktika

Pflichtpraktika, die von Ausbildungseinrichtungen, Universitäten, Hochschulen oder einer Ausbildungsordnung vorgeschrieben sind, werden nur selten vergütet und Studierende, die den Mindestlohn für ihre Arbeitspflichtleistung erhalten, sind Exoten. Die Mieten in Deutschland steigen und auch Unistädte bleiben davon nicht verschont. Viele Studierende müssen während ihrer Ausbildung für ihre Lebenshaltungskosten selbst aufkommen. Das Ausüben von z.B. Werkstudierendentätigkeiten ist jedoch in Zeiten von Pflichtpraktika nur schwer und oft gar nicht möglich. Während man in manchen Studiengängen die vorlesungsfreie Zeit nutzen kann, um sich Unterhalt für das nächste Semester zu verdienen, müssen andere Pflichtpraktika ableisten.
Ein drastisches Beispiel ist das Medizinstudium: 3 Monate Pflegepraktikum, 4 Monate Famulatur und 12 Monate ein Praktisches Jahr. Verdienst: 0 Euro – und das bei einer Arbeit in Vollzeit, die gerade zu Pandemiezeiten einen wertvollen gesellschaftlichen Beitrag leistet.
Dieses Beispiel steht stellvertretend für die Abhängigkeit in dieser Situation, die vielerorts in Form von nicht-existierenden Entlohnungen ausgenutzt wird.

Deshalb fordern die Jungen Liberalen Berlin-Mitte,…
… dass alle – im Rahmen von Pflichtpraktika, die im Gesamtzeitraum des Studienganges 3 Monate überschreiten, – entsprechend ihrer Qualifikation und Tätigkeit bezahlt werden und hierbei mindestens den gesetzlichen, branchenüblichen Mindestlohn erhalten. Öffentliche Träger und Beliehende dürfen grundsätzlich nur bezahlte Praktikumsstellen anbieten. Schulische Praktika, wie ein Sozialpraktikum in der 8. Klasse, sind hiervon ausgenommen.
… dass die Einkünfte aus bezahlten Pflichtpraktika steuer- und sozialabgabenbefreit sind.
… dass die Mehrkosten der öffentliche Träger der Praktikumsstellen, wie z. B. kommunale Krankenhäuser oder Behörden, kompensiert werden.